geh wandern!

Warum es sich lohnt mal wieder wandern zu gehen. Ganz alleine, oder in Gesellschaft.

Wandern – das ist das, wozu uns unsere Eltern früher regelmäßig gezwungen haben. Wozu es allerhöchste Überredungskünste gebraucht hat, inklusive dem Versprechen auf (mindestens) ein Eis am Ankunftsort. Und das Wandern soll des Müllers Lust gewesen sein… doch was, wenn Müller es gar nicht mehr gewöhnt ist, sich in der freien Wildbahn zu bewegen? Was, wenn er seltene Vögel vorzugsweise mit dem Handy einfängt, anstatt ihnen in ihrer natürlichen Umgebung zu begegnen?

Ich liebe die Natur – schon immer! Niedliche Blümchen im Park bestaunen, dem Knatschen der uralten Eiche vor meinem Bürofenster lauschen, die Basilikum-Pflanze auf meinem Balkon wachsen zu sehen. All das ist für mich Natur. Und das kommt nicht von irgendwoher. Schon als Kind war ich sehr naturverbunden. Bestes Beispiel: der Streit im Auto um den Sitzplatz am Fenster – um bei der Fahrt durchs Höllental den Hirsch und das Kreuz unbedingt gleichzeitig sehen zu können. Die pure Lust auf Natur! Bis zu dem Punkt an dem es immer hieß “So, aussteigen, wir laufen jetzt los!”

Doch dann eines Tages habe ich es gewagt und bin einfach so losgewandert – straight into the deep black forest – und habe meine eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen gemacht.

Warum ist das Wandern also cool? Es zwingt mich praktisch dazu, mich auf intensivere Gespräche mit meinen Mitmenschen einzulassen. Der Mehrwert eingeschränkten Handyempfangs liegt für mich darin, meinen mitspazierenden Freunden mal wieder wirklich zuhören zu können. Ungestört, ganz ohne Ablenkung durch das penetranten Vibrieren eingehender WhatsApp-Nachrichten und wild gewordener Pokémons. Denn wenn das andauernde Handyhervorziehen unweigerlich mit schweren Stürzen verbunden ist, überlege ich es mir gleich zweimal, ob es mir das Snapchatvideo wert ist.

Auch alleine wandern gehen ist möglich. Dabei habe ich gelernt, schöne Momente bewusst mit mir selbst zu teilen und somit meinen 57 Instagram-Followern vorzuenthalten. Ich spare mir die Gedanken darüber, welcher Vintage-Filter die alte Holzbank noch ein bisschen mehr vintage wirken lassen könnten und nehme dafür die Dinge, die um mich herum passieren, viel bewusster wahr. Ganz ohne Meditationskurs wandere ich mir so mögliche Depressionen, Burnout und Erschöpfungszustände einfach vom Leib.

Meinen Drang zum Minimalismus kann ich in puncto Ausrüstung ausleben: ein paar Schuhe (nein, nicht die weißen Sneaker), eine Wasserflasche, ein Freund und ein wenig Planung – fertig. Dabei kommt es gar nicht so unbedingt darauf an, wo genau ich wandern gehe, sondern vielmehr mit wem. Für die ganz harten Fälle greife ich dann aber doch gerne auf die alten Ratschläge meiner Eltern oder den örtlichen Straußenratgeber zurück. Und siehe da: bei der Aussicht auf Spätzle mit Schnitzel in Rahmsoße bekommt auf einmal selbst der kritischste Müller wieder Lust aufs Wandern.

Erschienen bei fudder: http://fudder.de/pro-und-contra-wandern-ist-nicht-cool

 

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