hipster cafes

Retro-Kaffeemaschinen, Palettenmöbel und ein Hipster hinter der Theke: Neue Cafés sehen alle gleich aus.

Montagnachmittag, Kaffeedate mit meiner besten Freundin. Wir treffen uns in dem neuen Café mit neuem Pächter im neuen Szeneviertel der Szenestadt. Ich bin schon da, sie fragt per Whatsapp nach dem Namen des Cafés, damit sie es mit dem Handy finden kann.

Uff, den Namen hab ich auch nicht mehr im Kopf, aber da ich gerade den perfekten Platz auf der bordeauxroten Couch ergattert habe, will ich auch nicht aufstehen und draußen auf das Schild gucken. Auf der Suche nach dem Logo wandert mein Blick auf den Tisch – keine Karte, alles Selbstbedienung. Ich blicke zur Theke. Quadratisch, praktisch, grau – Beton. Dahinter ein Typ in Jeans, weißem T-Shirt und Dutt. Sieht lässig aus. Er zwinkert mir zu, während er gekonnt einen Dirty-Chai-Latte mit einer silbern-glänzenden Retro-Kaffeemaschine zubereitet.

Mein Blick wandert weiter und bleibt an der riesigen schwarzen Schiefertafel hinter der Theke hängen. Die komplett in Großbuchstaben gehaltene weiße Schrift verrät mir die Preise von Fairtrade-Kaffee, Streuobstlimonaden und Cola-Alternativen. Weit und breit kein einziges Alleinstellungsmerkmal des Cafés. Ich frage mich, wann eigentlich alle Cafés angefangen haben, so absolut austauschbar auszusehen? Ich lasse meinen Blick schweifen – auf der Suche nach weiteren Anhaltspunkten, die mir Auskunft darüber geben könnten, wo ich mich befinde. Überall stehen Vintage-Möbel, von der Decke hängen Edison-Glühbirnen und kleine goldfarbene Bilderrahmen. In großen Buchstaben wird an der Wand das Angebot präsentiert. Es soll mich dafür sensibilisieren, dass ich ganz bestimmt eine nahezu tödliche Allergie habe – aber deshalb beruhigt zu sämtlichen hier angebotenen Laktose-/Gluten-/Tierprodukte-freien Speisen greifen darf.

Momentan verspüre ich allerdings eher eine allergische Reaktion auf Smoothies, Bowls, Burger auf Holzplatten und Basilikum-Cocktails in Weckgläsern. Ich möchte nicht in jedem Café immer dasselbe essen und trinken! Dieselbe Wanddeko bestaunen und den selben Menschen in ihre leeren, den Laptopbildschirm reflektierenden Augen sehen. Farblich und geometrisch auf das Instagram-Format angepasste Acai-Smoothie-Müsli-Bowls löffeln, die einfach nicht schmecken.

Ihr Hipster-Cafès seid alle gleich! Und wisst Ihr warum? Ihr seid perfekt. Ihr habt das perfekte Ambiente, die perfekte Innenausstattung, das perfekte Geschäftskonzept und die perfekten, hippen Gäste.Und dennoch, oder gerade deshalb, fühle ich mich nicht wohl bei Euch. Vielleicht, weil ich eben nicht perfekt bin. Oder weil Ihr einfach alle uniform seid. Nämlich gar nicht authentisch, vintage und lokal – sondern austauschbar und ohne Individualität.

Ich gehe zur Theke und bestelle einen Milchkaffee. Als ich mit vorwurfsvoller Stimme gefragt werde, ob ich meinen Kaffee wirklich mit Kuhmilch trinken möchte, sie hätten auch Soja- oder Hafermilch, reicht es mir – ich gehe!

 

 

Erschienen in Badische Zeitung : http://www.badische-zeitung.de/fudder-x1x/nein-zu-palettenmoebeln-und-drinks-in-weckglaesern–127863300.html

 

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