Germ Toys: Infiziertes Spielzeug

Step one: Kaufe ein infiziertes Kuscheltier – Step two: Gebe es deinem Kind zum Spielen – Step three: Warte auf eine Übertragung der Bakterien von dem Spielzeug auf dein Kind

Dreck essen für die Gesundheit

Kinder, die auf dem Land aufwachsen leben gesünder, haben weniger Allergien und sind nicht so oft krank- so sagt man zumindest, denn der Körper lernt im Umgang mit „Schmutz“ und „Dreck“ bestimmte Arten von Bakterien kennen und mit ihnen umzugehen. Doch was ist mit den Kindern die in Städten aufwachsen, zwischen Autoabgasen und Baustellenlärm, für die der Ausflug in den Stadtpark der einzigen Kontakt mit der „Natur“ ist und für die Kühe grundsätzlich exotische Tiere sind, oder lila.

Wien bietet als Großstadt nur wenig natürliche Schmutzquellen und so stellt sich die Frage, ob und vor allem wie es möglich ist auch diese Kinder mit sogenannten „Landbakterien“ in Kontakt zu bringen, um auch bei ihnen einen positiven gesundheitlichen Effekt hervorzurufen.

Futur Pharmacy – die Apotheke der Zukunft

Mit diesem Gedanken hat sich eine Gruppe von Studenten der Universität für Angewandte Kunst Wien im Rahmen des Projekts „Future Pharmacy- die Apotheke der Zukunft“ ganz konkret auseinandergesetzt. Daraus ist unter anderem das Projekt „Germ Toys“ entstanden, bei dem es um die Idee geht, Kinder verschiedener Altersstufen gezielt und kontrolliert in Kontakt mit bestimmten Bakterien zu bringen. Ganz konkret könnte das in Form von „infiziertem Spielzeug“ passieren, das man in der Apotheke kaufen kann und mithilfe dessen das Kind beim Spielen mit Bakterien in Kontakt kommt, mit denen es normalerweise nicht in Kontakt kommen würde. Der Körper lernt so mit dieser Art von Bakterien umzugehen, was wiederum förderlich für die Gesundheit ist, die Abwehrkräfte stärkt und im besten Fall für Allergieresistenz sorgt.

Derzeit arbeitet die Gruppe mit drei Apotheken aus Wien zusammen, die nicht nur fortlaufend Feedback zu der Idee geben, sondern außerdem einverstanden sind, einige Exemplare der „Germ Toys“ in ihren Regalen zu positionieren. Obwohl es sich dabei im Moment natürlich noch um Attrappen handelt, ist das Interesse der Kunden dennoch groß. Man wundert sich über die bunten, gut verpackten Spielsachen zwischen den Antifaltencremes und MakeUp-Tuben.

Infizierte Teddybären

Ich treffe mich mit der Studentin Miryam, die derzeit mit drei weiteren Kommilitonen an diesem Projekt arbeitet, kurz vor ihrer Abschlusspräsentation zu der sie mich eingeladen hat, an der Universität für Angewandte Kunst.

Sie hat mir einen „infizierten Teddy“ mitgebracht. Irgendwie finde ich die Vorstellung merkwürdig, dass der eingeschweißte Teddybär, der mich aus seinen kleinen dunklen Augen verschwommen anschaut mit Bakterien infiziert sein könnte. Miryam lacht, als ich sie frage, ob der Teddy mich jetzt mit irgendetwas anstecken könnte, denn noch ist das Projekt nur eine Idee. „Unsere Idee der „Germ Toys“, sind mit Mikroben infizierte Spielzeuge, die darauf abzielen, das Immunsystem von Kindern bereits im frühen Alter zu stärken. Wir arbeiten derzeit im Kontext von Stadt- und Landbakterien und gehen von der These aus, dass Landbakterien das Immunsystem von Kindern stärken“. Auf die Frage, wie dieses Projekt eine positive Veränderung herbeiführen kann antwortet sie, dass Kinder nun mal unsere Zukunft sind und es deswegen äußerst wichtig ist, dass sie möglichst gesund aufwachsen. Das sei natürlich nicht nur in Wien so, aber „irgendwo muss man ja schließlich anfangen“.

Fazit

Dass das Leben kein Ponyhof ist und Wien mit einem Bauernhof nicht sonderlich viel gemeinsam hat bemerke ich, als mir auf dem Weg zur U-Bahn die Abgase von geschätzten tausend Autos um die Nase wehen. Unabhängig davon, wie die Entwicklung und die Ausarbeitung der „Germ Toys“ weitergehen wird, beschließe ich unbedingt mal wieder öfter „ins Grüne“ zu fahren- das Projekt wirkt auf mich jetzt schon positiv!

 

erschienen hier:
http://youngviesions.com/portfolio/germ-toys-die-idee-von-infiziertem-spielzeug/

 

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